Die Fachgruppe Differentielle Psychologie, Persönlichkeitspsychologie und Psychologische Diagnostik der Deutschen Gesellschaft für Psychologie e.V. ehrt Herrn Prof. Dr. Klaus Kubinger für sein Lebenswerk auf dem Gebiet der computergestützten Psychologie

Die Urkunde ist unterzeichnet von den drei amtierenden Mitgliedern der Sprechergruppe.

Das Preisgeld in Höhe von 1500 € wurde von der SCHUHFRIED GmbH gestiftet. 
Wir danken der Fa. Schuhfried ganz herzlich für diese großzügige Spende!

Prof. Dr. Klaus Kubinger hat sich in besonderer Weise um die computergestützte Diagnostik verdient gemacht. Nur dieser Teil seiner Lebensleistung soll hier gewürdigt werden. Für seinen Beitrag zur Förderung der Qualität in der Psychologischen Diagnostik wurde er bereits 2007 mit dem Alfred-Binet-Preis geehrt.

Klaus Kubinger hat mehrere Tests entwickelt und publiziert, die computerbasiert sind:

Mit dem ältesten Verfahren, den Arbeitshaltungen, einer Testbatterie zur Erfassung von Anspruchsniveau, Frustrationstoleranz, Leistungsmotivation und Impulsivität/Reflexivität (zusammen mit Ebenhöh) hat er eine Idee Cattells wiederbelebt: Persönlichkeitsmerkmale kann man nicht nur mit Fragebogen oder projektiven Verfahren messen, sondern auch mit speziellen, sog. Objektiven Tests. In einer leistungstestähnlichen Situation werden bestimmte Verhaltensweisen gemessen, die Aufschluss über die Persönlichkeit geben sollen. Während Cattell noch mit paper-pencil-Tests experimentierte, hat Klaus Kubinger die Vorteile des Computers erkannt und konsequent genutzt. Die Arbeitshaltungen sind unseres Wissens der erste computergestützte objektive Persönlichkeitstest. Das Verfahren wurde 1996 bei Swets publiziert.

Ein weiterer Test aus der Kategorie der objektiven Persönlichkeitstests erschien 2006. Das Belastbarkeits-Assessment (BAcO) ist eine Testbatterie, die 6 verschiedene Aspekte des Verhaltens unter belastenden Bedingungen erfasst. Beispiele sind die Reaktion auf Zeitdruck und inadäquates Feedback. Zusammen mit den Koautoren Ortner, Schrott, Radinger und Litzenberger veröffentlichte er den Test 2006 bei Harcourt.

Daneben hat er zusammen mit Koautoren Leistungs- und Persönlichkeitstests entwickelt, die nur als Computerversion erschienen:

  • Der Begriffs-Bildungs-Test (1993)
  • Erkennen von Meta-Regeln (1994)
  • Rechnen in Symbolen (1994)
  • Das Big-Five plus One Persönlichkeitsinventar (2003)
  • Das Differentielle Stress Inventar (2004)

Drei dieser Tests wurden bei Schuhfried publiziert, zwei bei Swets.

Die Tatsache, dass alle diese Tests bei renommierten Testverlagen erschienen, zeigt, dass es sich nicht um irgendwelche im Hinterstübchen gebastelte Verfahren handelt, die in die Kategorie der grauen Literatur gehören. Wenn ein Testverlag sagt: diesen Test nehmen wir in unser Programm auf, so ist dies in der Regel eine Auszeichnung für die Autoren.

Klaus Kubinger hat nicht nur computergestützte Tests entwickelt, sondern er hat auch darüber publiziert. Er hat sich in Zeitschriftenbeiträgen damit befasst, Buchbeiträge dazu geschrieben und zusammen mit Ortner und Proyer 2006 ein Buch zur Theorie und Praxis Objektiver Persönlichkeitstests herausgegeben.

Damit steht Klaus Kubinger wie ein Monolith in dem weiten Feld der Testentwickler. Er ragt heraus, weil er sich wie kaum ein anderer im deutschen Sprachraum konsequent und produktiv mit Computertests befasst hat.

Weitere Informationen zur Fachgruppe Differentielle Psychologie, Persönlichkeitspsychologie und Psychologische Diagnostik in der Deutschen Gesellschaft für Psychologie e.V.


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